S-Bahnlinie S4 zwischen Torgau und Falkenberg – vorsichtiges Aufatmen

Die Zukunft der S-Bahnlinie S4 zwischen Torgau und Falkenberg/Elster ist seit anderthalb Jahren Gegenstand intensiver Diskussionen. Die von einer Vielzahl von Faktoren und auch widerstreitenden Interessenslagen beeinflusste, verkehrspolitische Entscheidung hat weitreichende Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung, die Lebensqualität und die Zukunftsfähigkeit einer gesamten Region zwischen Nordsachsen und dem brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis.“

Ursprünglich war vorgesehen und auch bereits beschlossen, die S4 ab dem Jahr 2026 nur noch bis Torgau verkehren zu lassen. Der Abschnitt zwischen Torgau und Falkenberg/Elster – einschließlich wichtiger Haltepunkte wie Beilrode – sollte entfallen. Diese Pläne hätten insbesondere für den ländlich geprägten Raum Ostelbien gravierende Folgen gehabt. Die Region wäre deutlich schlechter an das Oberzentrum Leipzig angebunden gewesen, da dann lediglich Regionalexpress-Linien im Zweistundentakt zur Verfügung stünden.

Die Bedeutung der S4 geht weit über die schlichte verkehrliche Verknüpfung ihre Haltepunkte hinaus. Sie stellt eine zentrale Lebensader dar, die Sachsen und Brandenburg miteinander verbindet. Pendler, Schüler und Auszubildende sind täglich auf diese Verbindung angewiesen. Gleichzeitig ist sie ein entscheidender Standortfaktor für Gemeinden wie Beilrode oder Arzberg, die ohne eine leistungsfähige Schienenanbindung an Attraktivität verlieren würden.

Vor diesem Hintergrund formierte sich breiter Widerstand gegen die geplante Kürzung. Torgauer Kommunalpolitiker, Wirtschaftsvertreter, Abgeordnete aus Land und Bund sowie Bürger engagierten sich in Protestaktionen und Petitionen für den Erhalt der Strecke. Beispielhaft sei hier eine vom Torgauer Stadtrat Glimpel angestoßene Petition an den Sächsischen Landtag erwähnt, die das in eine Unterschriftenaktion eingearbeitete Anliegen von kommunalen Verantwortungsträgern der Region in ein formelles Petitionsverfahren vor dem Sächsischen Landtag überführte. Dieses bürgerschaftliche Engagement zeigte Wirkung: Der Betrieb der S4 bis Falkenberg konnte zunächst bis Ende 2026 gesichert werden. Dennoch blieb die langfristige Perspektive weiterhin ungewiss.

Doch nun kam Bewegung in die Sache: Mit Beschluss der Vorlage 09/2026 zur 100. Verbandsversammlung des Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) am 30.03.2026 scheint der Kampf um den Fortbestand der Strecke bis 2030 erfolgreich zu verlaufen. Die Verbandsversammlung beschloss zusätzliche Verkehrsleistungen, insbesondere auch „neun Fahrtenpaare der S4 über Torgau hinaus nach Falkenberg“.

Da der Bund die Zweckverbände regelmäßig mit der Finanzierung seiner eigenen, reichlichen Zusatzwünsche an die kommunalen Aufgabenträger, weitestgehend allein lässt, muss hier der ZVNL auf Rücklagen für den Weiterbetrieb der Bestellverkehre dieser Strecke zurückgreifen. Aktuell geht der Zweckverband auf Grund des Deutschlandtickets von keinen wesentlichen Erlöszuwächsen aus, was die finanzielle Situation der Verkehrsverbände weiter deutlich verschärfen wird.

Der Fortbestand der S4 ist damit nicht nur ein Erfolg für engagierte Bürger, sondern auch ein wichtiges Signal für die Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen in Stadt und Land. Gerade strukturschwache Regionen sind auf verlässliche Infrastruktur angewiesen, um Abwanderung zu verhindern und Entwicklungsperspektiven zu sichern.

Ein Wehrmutstropfen bleibt aber: die Zustimmung der DB Regio AG könnte, wie in einem vom ZVNL beauftragten Gutachten thematisiert, auf Grund der Leistungsvolumenänderung in Form von geänderten kalkulierten Zugkilometern bzw. in Ansehung eines bereits erfolgten aber unter Gremienvorbehalt stehenden Zuschlages auf der Kippe stehen. Daher ist der Beschluss der Verbandsversammlung aus meiner Sicht mit vorsichtigem Optimismus zu genießen.

Der „Wilde Robert“ darf vorerst weiterfahren: Doch der große Schock kommt erst noch!

Die Region Oschatz ist vorerst mit dem Schrecken davongekommen: Die zuerst angekündigten massiven Kürzungen bei der Döllnitzbahn bleiben aus.
Ein Entwurf des Haushalts für den Freistaat Sachsen sah zuerst Kürzungen von 40 Prozent bei den per Vertrag geregelten Bestellgeldern vor.
Das hätte aller Voraussicht nach das Aus für den bei Jung und Alt beliebten Tourismusmagneten zwischen Glossen, Kemmlitz und Oschatz bedeutet!

Daraufhin hatte ich das Gespräch mit dem Betreiber der Döllnitzbahn gesucht. Nun ist im Haushaltsgesetz von „lediglich“ zehn Prozent Einsparungen die Rede.
Der Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), in dem ich Mitglied bin, will zudem die massiven Einsparungen der schwarz-roten Landesregierung nicht an die Döllnitzbahn weiterreichen! Die bereits zugesagten Mittel sollen inklusive 1,8% Dynamisierung zur Verfügung gestellt werden. Der „Wilde Robert“ kann also vorerst auch 2026 – wenn auch in leicht eingeschränktem Maße – große und kleine Passagiere erfreuen. Dies hatte ich direkt nach dem Beschluss zur vergangenen Sitzung des ZVNL dankend zum Ausdruck gebracht.

Ist die Tourismus-Katastrophe für den Altkreis Oschatz damit abgewendet? Leider keineswegs! Denn die Verhandlungen für den Doppelhaushalt 2027/28 dürften noch wesentlich härter ausfallen als die Verhandlungen für den aktuellen Haushalt!
Denn dann sind die Reserven des Freistaats Sachsen fast komplett aufgebraucht. Bereits dieses Jahr hat man z.B. massiv bei Einzahlungen in den Generationenfonds gekürzt.
Ab 2027 wird die Haushaltslage des Freistaats Sachsen noch wesentlich dramatischer aussehen!

Entwarnung kann deshalb noch lange nicht gegeben werden! Die AfD wird sich mit Nachdruck dafür einsetzen, dass nicht an unserer wichtigen touristischen Infrastruktur gespart wird! Gespart werden müsste nämlich ganz woanders – beispielsweise bei der linken Vereins-Lobby, den massiven Asyl-Ausgaben und fragwürdigen „Integrations“-Projekten!

Kürzung der S4-Strecke zwischen Torgau und Leipzig: Kreistagsfraktionen kämpfen um Anschluss

Kürzung der S4-Strecke zwischen Torgau und Leipzig: Kreistagsfraktionen kämpfen um Anschluss

Die Entscheidung über das Schicksal der S-Bahn-Linie S4 bis Beilrode und Falkenberg ist zum Politikum geworden. Die Fraktionen im nordsächsischen Kreistag fürchten um Arbeitsplätze, Infrastruktur und die Attraktivität Ostelbiens – und wollen das drohende Aus nicht hinnehmen.

Beilrode. Die geplante Kürzung der S-Bahnlinie S4 sorgt für Proteste in der Region. Ab 2026 soll die Verbindung nicht mehr von Leipzig bis Beilrode und Falkenberg/Elster führen, sondern nur noch bis Torgau. Laut Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) seien finanzielle Gründe ausschlaggebend.
Während die Bürgermeister von Arzberg, Beilrode, Falkenberg/Elster, Herzberg, Torgau und Bad Liebenwerda bereits eine Resolution verfasst haben, um gegen die Entscheidung anzukämpfen, melden sich nun auch Parteien aus Nordsachsen kritisch zu Wort.

Schlechtere Verbindungen nach Leipzig, Dresden und Berlin
Wie die CDU: „Bereits die Einführung des Deutschlandtickets durch die Ampelregierung habe ich skeptisch gesehen, da allein diese steuerfinanzierte Maßnahme nicht zu mehr Angeboten im ländlichen Raum führt. Die Steuerzahler in Nordsachsen und in anderen ländlich geprägten Regionen finanzieren somit ein vergünstigtes Monatsticket in den Ballungsräumen und Großstädten“, bemängelt die nordsächsische Bundestagsabgeordnete Christiane Schenderlein.
Wie sich die Situation nun darstellt, führen Regionalisierungsmittel in nicht ausreichender Höhe – aufgrund insgesamt gestiegener Kosten – sogar zu einer Angebotsreduzierung an manchen Stellen, erklärt sie. Für die Anbindung von Ostelbien an Leipzig und für die gesamte Region um Torgau führen diese Pläne zu schlechteren Verbindungen nach Leipzig, Dresden und Berlin.
„Dies sehe ich als klaren Verlust von bisherigen Standortvorteilen an. Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel stellen solche Reduzierungsentscheidungen andere bereits umgesetzte und geplante Maßnahmen, wie den Park-and-Ride-Platz in Beilrode, den Ausbau des alten Bahnhofgebäudes in Beilrode und selbst den Glascampus in Torgau vor massive Herausforderungen“, beschreibt Schenderlein.
Es seien genau diese Entscheidungen der aktuellen Bundesregierung, die mit wenig Weitblick für die Auswirkungen in unserer Region im fernen Berlin getroffen werden. „Noch ist etwas Zeit bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2026 und eine Bundestagswahl liegt dazwischen. Wie mir versichert wurde, kann bei ausreichender Finanzierung jederzeit die Entscheidung für die weitere S-Bahn-Streckenführung in bisherigem Umfang umgesetzt werden. Daran müssen wir gemeinsam auf allen Ebenen arbeiten“, betont Schenderlein.

Standortvorteile fallen weg
Auch SPD/Grüne protestieren. Die S-Bahn-Strecke von Torgau bis Falkenberg mit Halt in Beilrode müsse mit stündlicher Taktung dringend erhalten bleiben, fordert der Fraktionsvorsitzende von SPD/Grünen im Kreistag Nordsachsen, Heiko Wittig. Für die Gemeinden Arzberg und Beilrode mit fast 6000 Einwohnern sei der S-Bahn-Halt Beilrode gerade in der strukturschwachen ostelbischen Region der bedeutendste Standortvorteil. „Im Kreisentwicklungskonzept hat der Kreistag zum Thema Mobilität als wichtigstes strategisches Ziel beschlossen, alle Regionen Nordsachsens durch ein qualifiziertes ÖPNV-Netz zu erschließen. Die Entscheidung gegen die Fortführung der S-Bahn-Linie in Ostelbien steht sowohl dem Beschluss als auch den Bedürfnissen der Bevölkerung entgegen“, stellt Wittig unmissverständlich fest.
„Hinzu kommt“, so Wittig, „dass die Gemeinde Beilrode rund um den Haltepunkt wesentliche Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur geschaffen hat.“ Doch nicht nur die Ostelbier wären vom Wegfall der Verbindung betroffen, sondern auch die Torgauer und andere Nutzer der S-Bahn nach Falkenberg, wo der dortige Knotenpunkt ausgebaut und die Anbindung nach Berlin deutlich verbessert werden soll. „Der Schließungsbeschluss des S-Bahn-Anschlusses von Torgau nach Falkenberg muss korrigiert werden“, erklärt Wittig. Der Kreistag habe hier als Mitglied des ZVNL dringend fraktionsübergreifend Stellung zu beziehen, so der Fraktionschef.

Entwicklung kommt mit Ansage
Auch die AfD meldet sich zu Wort. „Selbstverständlich haben unsere direkt gewählten Abgeordneten, MdB Bochmann, MdL Wiedeburg und ich die Meldung zu den geplanten ÖPNV-Angeboten in Beilrode kritisch zur Kenntnis genommen. Aus unserer Sicht eine logische Konsequenz, weil an allen Ecken Geld fehlt, aber die Kosten pro Zugkilometer in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen sind“, so der stellvertretende Kreisvorsitzende Tobias Heller, zugleich Mitglied im Landtag. Als Beispiel seien Personal, Energie, Infrastruktur, Ersatzteile oder Ersatzverkehre genannt.
„Diese Entwicklung kam mit Ansage und man hätte ihr schon viel früher begegnen müssen, denn Vorschläge lagen von uns bereits vor, um gegenzusteuern“, meint Heller. Darüber hinaus sei weder auf Bundes- noch auf Landesebene ein Wille der Altparteien zu Reformen und damit zu einem attraktiven und flächendeckenden Nahverkehr vorhanden. Man investiere zum Beispiel stur in batterieelektrische Züge, auch wenn diese auf nur wenigen Strecken unseres Netzes die wirtschaftlichste Lösung darstellen. „Deshalb halten wir es für unangebracht, bei den Problem-Verursachern Hilfe einzufordern“, stellt der Vize-AfD-Kreischef fest.

ZVNL will Kostensteigerungen vermeiden
Dennoch müsse dem ZVNL zugutegehalten werden, dass man bei den Ausschreibungen massive Kostensteigerungen vermeiden wollte, um so wenige Fahrgäste wie möglich mit Fahrplanänderungen zu konfrontieren. „Es braucht aus unserer Sicht einen eng getakteten und flächendeckenden ÖPNV, um wirklich ein Angebot zur individuellen Mobilität gerade im ländlichen Raum zu bieten. Reformen dürfen allerdings nicht wieder am Ende allein durch die Autofahrer finanziert werden“, sagt Heller.

Nutzerzahlen von rund 80 pro Tag kritisch
Dr. Michael Friedrich nimmt für Fraktion der Linkspartei Stellung. „Die S4-Verbindung bis Falkenberg muss bleiben, auch wenn gegenwärtig die Nutzerzahlen von rund 80 pro Tag rein betriebswirtschaftlich kritisch, ja unbefriedigend sind. Im Sinne gleichwertiger Lebensverhältnisse im benachteiligten, abgehängten Ostelbien wäre diese wichtige S-Bahn ein notwendiger Nachteilsausgleich, so auch vorgesehen im Kreisentwicklungskonzept, um Ärzte, Pädagogen und generell junge Familien für Beilrode, Arzberg usw. interessant zu machen.“

Bild & Text: Torgauer Zeitung vom 19.10.2024

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